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Im Gespräch mit Jean Reno
Schauspieler Jean Reno im Film Die purpurnen Flüsse 2
Nach den Dreharbeiten zu "Die purpurnen Flüsse"...
„Zu dieser Zeit war ich glücklich darüber, was ich mit Vincent Cassel
und Mathieu Kassovitz erreicht hatte. Aber ich dachte deswegen nicht an
eine Fortsetzung, daran denke ich eigentlich nie. Was für mich zählt,
das sind die Menschen, mit denen ich arbeite. Zunächst hatte Vincent
vorgeschlagen, noch einmal in dieser Konstellation zu arbeiten. Am Ende
wurde das Projekt aber mit Olivier Dahan und Benoit Magimel
realisiert.“
Die Fortsetzung der Geschichte...
„Ein neues Gespann formiert sich mit meiner Figur. Niemans begegnet
einem seiner Schüler aus der Polizeischule wieder und gemeinsam leiten
sie eine sehr eigenwillige Untersuchung, an der Grenze zum
Fantastischen. Ich mochte die Geschichte, die Stimmung, aber auch den Gedanken
mit Olivier Dahan zu arbeiten. Man muss Talent haben, um gute Ideen in
einen guten Film zu verwandeln. Es ging nicht nur um eine simple
Fortsetzung, sondern um ein anderes Universum mit anderen Charakteren. Mir sind die Menschen, mit denen ich arbeite, wichtiger als die Ideen auf dem Papier.“
Regisseur Olivier Dahan...
„Oliviers Vision ist natürlich anders als die von Mathieu Kassovitz
(der Regisseur des ersten Teils), aber sie ändert meine Figur nicht.
Man fühlt nicht das Gleiche, wenn jemand anderes hinter der Kamera
steht. Sie sind beide Künstler auf ihre Weise. Meine Arbeit besteht darin, Niemans in ihren unterschiedlichen
Welten zum Leben zu bringen. Mit Olivier war es wie ein gleichmäßiger
Galopp. Ich habe die Details nach seinen Anweisungen verfeinert. Wir
mussten nicht viel sprechen, um uns zu verstehen. Olivier ist ein
bisschen wie diese Prediger, die die Wüste durchquert haben. Er hat
eine eigene Vorstellung, eine besondere Art zu erzählen und sein ganz
eigenes Lebenstempo. Er ist ein erstaunlicher Mann! Das macht ihn umso
interessanter. Er ist jung und gleichzeitig sehr alt! Ich bin ein alter
Löwe, das war ich immer. Daneben gibt es die Löwen, die immer jung
bleiben. Das ist eine Frage des Charakters."
Kommissar Pierre Niemans...
„Pierre Niemans trägt schwer an dem Leid, das er tagtäglich sieht.
Obwohl er sich entschieden hat, gegen das Böse zu kämpfen, hat er
eigentlich diesen Kampf bereits aufgegeben. Er weiß, dass man es nicht
besiegen kann, bestenfalls kann man es eindämmen. Um sich dieser Dinge bewusst zu sein und trotzdem den Glauben zu
bewahren, muss man stark sein. Wenn er ein Talent hat, dann ist es
dieses. Was den Rest betrifft, hat ihn die Erfahrung geprägt. Er ist ein Mann, der seine Waffe erst im allerletzten Moment
zieht, in den extremen Situationen. Für ihn bedeutet Teil der Polizei
zu sein nicht, die Ordnung zu verkörpern oder die Allzweckwaffe gegen
das Verbrechen zu sein. Er will das Leid der Menschen tragen und ein
wenig lindern. Bei seiner Arbeit ist er oft Zeuge von dem, was am schwersten im
Leben ist, und das hat ihn geprägt. Ich glaube, in dieser Situation
befinden sich alle Polizisten. Man kann nicht immer wieder das dunkle
Gesicht der Welt sehen, ohne dass dies Spuren hinterlässt.“
Die Figur Niemans öffnet sich mehr und entwickelt sich in diesem
neuen Abenteuer weiter. Er gewinnt an Dichte, an innerer Distanz, er
sieht das Leben ironischer. Um Niemans zu verkörpern, ist es nicht notwendig seine ganze
Geschichte zu kennen. Das ist nicht interessant und könnte ihn sogar
kleiner machen. Ob er aus Korsika oder aus Paris kommt, ändert nichts
an seinem Weg. Seine Menschlichkeit muss man nachempfinden. Er ist es,
der sich die schwierigen Untersuchungen aufbürdet. Im Film bemerkt ein
Gendarm: ‚Ich hatte noch nie mit ihrer Abteilung zu tun...’, Niemans
antwortet: ‚Besser ist es’.“
Die Maginot-Linie...
„Dieser Ort regt die Fantasie an. Wenn man hinuntersteigt, dann
entfernt man sich vom Leben. So tief unten trifft man nichts mehr,
nicht mal ein Insekt. Man findet Wasser, aber es gibt überhaupt kein
Licht mehr. Wenn ich daran denke, dass dort Männer gelebt haben, wie
vergraben, und das alles für nichts und wieder nichts! Es gab nur einen
Toten, ein armer Kerl, der durch eine Dachluke geschaut hatte...!
Der Ort drückt perfekt die Stimmung von "Die purpurnen Flüsse 2"
aus. Er ist beängstigend und faszinierend. Ein Teil des Filmendes
spielt dort. Es war anstrengend dort zu drehen, wegen der actionreichen
Szenen und der schwierigen Spieltechniken. Es gab viel Wasser,
Spezialeffekte, das waren sehr komplexe Dreharbeiten. Besonders hier
waren die Orte sehr wichtig. Wir haben in Industrie-Brachen gefilmt, im
Herzen eines industriellen Erbes des 19. Jahrhunderts, das nach und
nach verschwindet.“
Die anderen Schauspieler...
„Dieser Film gab mir nicht nur die Gelegenheit, spannende
Situationen zu erleben, sondern auch besondere Menschen zu treffen. Ich
habe eine Szene mit Johnny Hallyday. Den mag ich sehr. Wir hatten wenig
Zeit, Hallyday musste sein Flugzeug erreichen. Trotzdem hat es Spaß
gemacht. Was Christopher Lee betrifft, er ist eine Legende. Seine
Erfahrung beeindruckt natürlich. Er kennt vieles, und mit seinen 84
Jahren ist er immer noch in der Weltgeschichte unterwegs. Wir haben
über Herr der Ringe gesprochen und über die Zeit, in der ein großer
Schauspieler über den Erfolg eines Films entschied."
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